Impuls: Äußerer und innerer Raum

Äußerer und innerer Raum

Mitte August gab es am Nachthimmel kurz vor Sonnenaufgang ein spektakuläres Sternenbild: Venus, Jupiter und der Mond standen ganz im Osten in einer diagonalen Reihe und boten so einen wunderschönen Anblick. Für uns scheinen sie bei ausgetrecktem Arm nur einen Fingerbreit voneinander entfernt und doch liegen die Planeten fast 700 Millionen Kilometer auseinander. Vom Jupiter braucht das Licht rd. 45 Minuten bis zu uns.  In unserem Sonnensystem ist das Licht von der einen Seite bis zur anderen Seite der Milchstraße sogar 100.000 Jahre unterwegs. Unvorstellbar große Räume.

Ob das im 15. Jahrhundert jemand wusste? Das ist unklar, aber der Universalgelehrte und Theologe Nikolaus von Kues, kurz Cusanus genannt, hat aus der Größe des Weltalls abgeleitet, dass der innere Raum in uns so groß ist wie der äußere erkennbare Raum.

Im religiösen Zusammenhang können wir den äußeren Raum als Erde bezeichnen, all das, was wir mit unseren Sinnen begreifen können, das materielle Universum. Der Himmel bezeichnet all das, was darüber hinausgeht, die unsichtbare Welt, das was noch verborgen ist.

Wenn beide Räume gleich groß sind, liegt es an uns, dass wir eine Balance herstellen zwischen ihnen: welches Gewicht geben wir dem inneren Raum, all dem, was in uns noch entdeckt und offenbar werden will?

Sehen wir einen sternenklaren Nachthimmel einmal als Spiegel, dann ahnen wir etwas von dem, was für Cusanus so selbstverständlich war: die größere Wirklichkeit hinter allen Dingen.

Urban Führes

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