Innere Reinigung
Eine große Flut strömt täglich auf uns ein: Musik, Tagesnachrichten, Verkehrslärm, verschiedenste Inhalte auf dem Smartphone – man könnte die Liste lange fortsetzen. Und mittendrin treiben uns unsere Gedanken: Was steht heute noch an? Woran muss ich heute noch denken? Das kann einem schnell zu viel werden.
Als Jesus in Jerusalem sah, wie die Verkäufer und Geldwechsler den Tempel zu einer Markthalle machten, wurde ihm der Lärm der frommen Tauschgeschäfte auch zu viel: „Er […] trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um […].“ (Joh 2,15).
Der Tempel war das Haus jenes Gottes, der die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei befreit hatte. Mit seinen Regeln hatte er seinem Volk gezeigt, wie sie in dieser neu gewonnenen Freiheit ihre innere Freiheit bewahren konnten. Eine Freiheit von allen Dingen, die den Menschen neu und anders versklaven wollen, die ihn vereinnahmen wollen. Die im Johannes-Evangelium geschilderte Situation zeigt jedoch, dass die Menschen nicht froh und aufatmend in den Raum der Freiheit Gottes eintraten, sondern sich sklavisch an Opfer und Geschäfte banden, denen Jesus nicht einfach zusehen konnte.
Später schreibt Paulus an die Korinther: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Wir selbst sind auch ein Tempel, ein Raum des Aufatmens, in dem wir Gott in Freude und Freiheit begegnen können. Wenn da nicht die versklavenden und oft unnützen Ablenkungen des Alltags wären! Eine innere Reinigung durchzuführen, rauszuwerfen, was uns vom Wesentlichen ablenkt, tut uns gut. Die Fastenzeit bietet Gelegenheit dazu.
Tobias Herber



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