Impuls: Eine Osterbotschaft?

Eine Osterbotschaft?

Mit der Aussage „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt“ sieht Jesus sein Wirken als die Fortführung der Sendung des Propheten Jesaja. Von den Merkmalen, mit denen Jesaja seinen Auftrag beschreibt, hat mich besonders das Gnadenjahr des Herrn beeindruckt.

Nach 7 x 7 Jahren – also im 50. Jahr – sollte ein Gnadenjahr ausgerufen werden. Dieses Jahr hatte das Ziel, die soziale Chancengleichheit aller Israeliten im vollen Umfang wieder herzustellen. Das bedeutet, dass eine verarmte Person ihren Bodenbesitz, den sie durch eine Notlage verloren hat, ohne Entschädigung wieder zurückerhält. Menschen, die in die Schuldsklaverei gefallen sind, müssen bedingungslos freigelassen werden. Weiter ist ein allgemeiner Schuldenerlass vorgesehen.

Vor Gott sind alle Menschen gleich. Diesen Grundsatz sollte jeder Israelit einmal in seinem Leben auch unter dem sozialökonomischen Gesichtspunkt erfahren dürfen. Grund und Boden waren in der damaligen Vorstellung nur von Gott geliehen.

Er ist nicht überliefert, wie und mit welcher Wirkung das Gnadenjahr in der Zeit des Alten Testaments umgesetzt wurde. In der katholischen Kirche wird der Gedanke mit dem Heiligen Jahr aufgegriffen, in dem die persönliche Beziehung des einzelnen Christen mit Gott im Focus steht.

Auch im persönlichen Bereich sagt uns Gott einen Neuanfang mit gleichen Startbedingungen und voller Zukunftsperspektive zu. Er hat ihn z. B. dem Verbrecher gewährt, der mit ihm gekreuzigt wurde. Dieser Neustart hat als Voraussetzung nicht das 50. Lebensjahr, sondern den ehrlichen Wunsch des Betroffenen.

All diese Ideen haben etwas mit Auferstehung zu tun.
In diesem Sinn ist das Gnadenjahr eine Osterbotschaft.

Franz Forman

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