Gott lässt sich nicht mit den üblichen Maßstäben messen.
„In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach!“ Mt. 9,9
Welche Bedeutung hatte damals der Kontakt zu dieser Berufsgruppe? Die Bevölkerung musste Steuern für die römische Besatzungsmacht bezahlen, die die Zöllner eingetrieben haben. Dabei hatten sie keine Skrupel, durch erhöhte Forderungen Geld in die eigene Tasche zu erwirtschaften.
Zöllner waren verhasst. Im gesellschaftlichen Umgang galt die Regel: Man meidet absolut den Kontakt mit Zöllnern, die als Sünder und damit Unreine abgestempelt waren. Schließlich bestand die Gefahr, selbst unrein zu werden. Unreine Personen waren aus der gottesdienstlichen Gemeinschaft ausgeschlossen.
Jesus scheut nicht den Kontakt mit Zöllnern. Er überschreitet mit seinem Handeln in voller Absicht eine rote Linie, die im gesellschaftlichen Leben galt. Kein Wunder, dass er aneckt. Er setzt bewusst auf Barmherzigkeit, die keine Grenzen kennt, und eine Liebe, die das Heil vor allem jener will, die im Abseits stehen. Mit der logischen Begründung, „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“, setzt er auf mitfühlende, wertschätzende und sogar grenzüberschreitende Menschlichkeit. Er nimmt dabei sogar in Kauf, selbst in Verruf zu kommen.
Heute erleben wir andere rote Linien: Papst Leo kommt bei den Mächtigen ins Fadenkreuz der Kritik, wenn er die christliche Friedensbotschaft bekräftigt: „Kriege werden nicht durch Supermächte gewonnen, sondern durch die Allmacht der Liebe besiegt.“
Franz Forman



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