Die Orgel

Orgel_ReuterÜber die Jahrhunderte hat sich – mit einigen Höhen und Tiefen, Rück- und Fortschritten – die Orgel als vorherrschender Klangkörper der Kirchenmusik etabliert. Sie ist mit Sicherheit das komplizierteste Instrument, das Generationen von Orgelbauern in Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Musiker entwickelt haben. Sie muss so gebaut sein, dass sie weinen und klagen, aber auch jauchzen und triumphieren kann, damit sie uns das Wort Gottes in allen seinen Ausprägungen musikalisch widerspiegeln kann. Der französische Abt und Bischof Baudry (Balderich) von Dol (Bretagne) formulierte das um das Jahr 1120 so:

Die Orgel sei im besonderen Maße zur Erbauung der Gemeinde geeignet, denn wie die Pfeifen von höchst unterschiedlicher Größe, Form und Klanggestalt seien, sie alle aber vom gleichen Spielwind angetrieben würden, um einen gemeinsamen Gesang hervorzubringen, so sollten sich auch die Christen – trotz all ihrer Verschiedenheiten – von dem einen heiligen Geist inspirieren lassen und ein einheitliches Bekenntnis, einen gemeinsamen Lobpreis anstimmen.

Dieses Zeugnis ist 900 Jahre alt – kein Mensch weiß, wie damalige Orgeln geklungen haben, wie sie gespielt wurden und über welche Möglichkeiten sie verfügten. Immer wieder sind Orgeln von radikalen Bilderstürmern zerstört worden, immer wieder haben Menschen sie neu wieder aufgebaut, weil sie sich im Klang der Orgel Gott ein wenig näher fühlten.

Die Johannes-Orgel

Unsere Orgel wurde am 27. November 1983 geweiht. Der Orgelbaumeister (Hans Voglrieder) schreibt dazu:

Nicht umsonst wird die Orgel die Königin der Instrumente genannt. Kein anderes Musikinstrument verfügt über einen so gewaltigen Klangreichtum. Von den tiefsten, 2,5 m langen Pfeifen bis zu denen, die nur 10 mm lang sind und Töne zwischen 20 und 17 000 Schwingungen pro Sekunde erzeugen. Da gibt es Holz- und Metallpfeifen, offene und solche, die halb oder ganz gedeckt sind, konische, zylindrische, runde und eckige. Die einen schmettern wie Posaunen und Trompeten, andere wieder zart und leise.

Für jede Stimmung hat die Orgel die passenden Töne parat. Trauer und Freude, verhaltene Besinnlichkeit und brausenden Jubel kann sie gleichermaßen zum Ausdruck bringen. Jede der insgesamt 1760 Pfeifen hat bei der Intonation ihren Klangcharakter erhalten, der durch Herrn Domkapellmeister Wünsch mit der vielfältigen, 26 Register umfassenden Disposition vorgegeben wurde. Aber nicht nur der Klang allein macht eine Orgel perfekt.

Einige tausend Einzelteile mußten gefertigt werden, um dem Werk die Töne entlocken zu können. Ein paar Kubikmeter Holz, etwa 600 m feine Leisten für die Verbindung von den Tasten zu den dazugehörigen Ventilen, Schrauben in allen erdenklichen Größen gleich kiloweise waren nötig, um in rund 3000 Arbeitsstunden das Werk entstehen lassen zu können. Nicht zu vergessen auch die vielen Schalter, Motore, Knöpfe, Drücker und Kabel, die die einzelnen Register präzise und fehlerfrei nach dem Willen des Organisten erklingen oder verstummen lassen.

Ein starkes Windgebläse versorgt das Werk über 9 Blasebälge mit 8 cbm Wind pro Minute, damit auch alle Pfeifen jederzeit aus „voller Lunge“ertönen können. Wenn ich heute die Orgel seiner Bestimmung übergebe, so möchte ich damit den Wunsch verbinden, daß dieses Instrument jederzeit zur Freude der Organisten, zur Erbauung der Gemeinde und vor allem zur Ehre Gottes erklingen möge.

In unserem Orgel-ABC erfahren Sie mehr zu den Fachausdrücken.

Die Disposition der Orgel

HAUPTWERK
I. Manual
SCHWELLWERK
II. Manual
PEDAL Spielhilfen
Prinzipal         8′
Rohrflöte        8′
Oktave            4′
Gemshorn     4′
Quinte            2 2/3′
Waldflöte       2′
Terz                 1 3/5´
Mixtur 5f          2′
Trompete       8´
Tremulant
Gedackt           8′
Gamba             8´
Prinzipal           4′
Holzflöte           4′
Oktave               2′
Quintlein           1 1/3′
Cymbel 3f.        2 1/3′
Dulzian             16´
Hautbois           8′
Clairon              4′
Tremulant
Subbaß              16´
Prinzipal              8′
Gedackt               8′
Choralbaß          4′ +2′
Rauschwerk 5f. 5 1/3´
Posaune             16´
Rohrpfeife           2′
Crescendowalze
Schweller für II. Manual
Mechanische Spieltraktur
Elektr. Registertraktur
Freie Kombinationen I.u. II.
Normalkoppeln und Kombinationsschalter Tutti in Wechselwirkung zwischen Handregister und Fußschaltung.