Fürbitten in St. Johannes

Das neue Fürbittenmodell

„Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten.“ (Joh 16,24)

Wie ein Vorwurf klingt für mich dieser Satz. Und das Schlimme ist: er trifft sogar auf die meisten unserer Gottesdienste zu. Denn normalerweise sind die Fürbitten im Gottesdienst nicht die Bitten der Gemeinde. Es sind Bitten, von denen ich denke, dass sie die Bitten der Gemeinde sein könnten.

Ich fand das schon immer unbefriedigend. Ein Aha-Erlebnis war für mich ein Gottesdienst in der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Dort hatten sie eine Form für die Fürbitten gefunden, die einen Rahmen vorgibt und dennoch Freiheit für die eigenen und ganz persönlichen bitten der Mitfeiernden lässt. „Das musst du auch machen“, habe ich mir gedacht.

Gesagt getan. In den letzten Sitzungen des Liturgieausschusses und des Pfarrgemeinderats haben wir uns darüber ausgetauscht. Beide Gremien haben beschlossen, das hier in St. Johannes umzusetzen. Zusammen mit zwei anderen Änderungen wird diese neue Form der Fürbitten am Pfingstsonntag erstmals eingeführt.

Freiraum für eigene Anliegen

Es ist eine gute Mischung zwischen vorformulierten Bitten und Freiraum für die persönlichen Anliegen. Gegliedert sind die Bitten in Oberthemen. Diese folgen den klassischen Fürbittanliegen: für die Kirche, für die Welt, für die Notleidenden, für die Verstorbenen. Jedes Oberthema wird vom Zelebranten des Gottesdienstes eingeleitet. Danach trägt er eine zu diesem Thema passende Bitte vor. Alle antworten mit einem gesungenen Bittruf. Danach gibt es die Möglichkeit persönliche Bitten zu diesem Oberthema einzubringen. Das kann man still für sich tun oder man spricht die Bitte laut aus. Dann antwortet die Gemeinde auch darauf mit dem Bittruf. Wenn dann keine Bitten mehr zu diesem Thema eingebracht werden, leitet der Zelebrant das nächste Oberthema ein.

Eine besondere Stellung hat die Bitte für die Verstorbenen. Wie in den meisten anderen Pfarreien ist es auch hier in Oberasbach üblich geblieben, die Intentionen ins Hochgebet zu nehmen. Dabei ist das eigentlich nur in einem von allen erlaubten Hochgebeten so vorgesehen. Nehme ich ein anderes, quetsche ich, wie die meisten anderen Pfarrer die Namen der Verstorbenen irgendwie so mit hinein. Bei manchen Hochgebeten ist das auch überhaupt nicht möglich.

Die Messe ist keine Magie

Das folgt noch einem magischen Verständnis der Messe. Nach dem Motto: je näher die Namen am Einsetzungsbericht vom letzten Abendmahl genannt werden, desto mehr ist es wert. Doch der eigentliche Ort für dieses besondere Gedenken ist für mich die Bitte für die Verstorbenen in den Fürbitten. Darum werden mit der Umstellung die Verstorbenen, derer wir besonders Gedenken bei der letzten Fürbitte genannt.

Pfarrer Matthias Stepper 02.05.2015

Fürbitten in St. Johannes

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